Tierversuche – noch zeitgemäss?

Über das Thema Tierversuche gab es schon zahlreiche Debatten und Diskussionen. Wer ist dafür? Wer dagegen? Warum werden überhaupt Tierversuche durchgeführt? Was verspricht man sich davon? Sind Tierversuche noch zeitgemäss?

Tierversuche Kaninchen

Man möchte uns ja gerne glauben lassen, dass Tierversuche notwendig seine, um die Produkte, welche wir benutzen, für uns sicher zu machen. Ausserdem seien Tierversuche wichtig, um neue Behandlungsmethoden für kranke Mensch zu finden. Ist dem wirklich so? Tatsächlich seien Tierversuche nicht geeignet, die Wirkung und Gefährlichkeit von Stoffen für den Menschen zu beurteilen. In der Zwischenzeit erkennen immer mehr Wissenschaftler, Politiker und Bürger, dass Ergebnisse von Tierversuchen nicht das halten, was sie versprechen und dass die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragen werden können. Es bestehen zwischen Tier und Mensch nämlich zahlreiche elementare und vielfältige Unterschiede hinsichtlich Körperbau, Organfunktionen, Stoffwechsel, Ernährung, Psyche usw. Und auch die einzelnen Tierarten unterscheiden sich noch einmal voneinander. Somit macht es Sinn, dass verschiedene Tiere auch verschieden auf Chemikalien und Medikamente reagieren. Ein Beispiel: Katzen vertragen das Schmerzmittel Paracetamol viel schlechter als Hunde, weil ihre Leber es nur langsam abbauen kann. Und es geht noch weiter. Die übliche Dosierung eines Mittels gegen Hautpilz (Insol) ist für Meerschweinchen doppelt so hoch wie für ein Pferd, obwohl dieses 500 Mal schwerer ist. Katzen sterben an einem bestimmten Flohmittel für Hunde (Exspot). Ein anderes Flohmittel (Frontline) ist jedoch für Hunde und Katzen gleich gut verträglich, nicht aber für Kaninchen. Und nicht anders ist das somit zwischen Tier und Mensch. Was für den einen harmlos ist, kann für den anderen tödlich sein. Folglich kann nach Durchführung eines Tierversuchs nicht vorausgesagt werden, ob Menschen genau so auf die Substanz reagieren, wie Tiere. Oftmals sind die Wirkungs- und Verträglichkeitsunterschiede so gravierend und die Wirkung so entgegengesetzt, dass die Übertragbarkeit von Ergebnisse aus Tierexperimenten auf die menschliche Situation ein absolut unkalkulierbares Risiko darstellt.

Tierversuche nützen nicht nur nichts, sie schaden sogar. So spiegeln sie eine Sicherheit wider, die nicht vorhanden ist. 95% der potenziellen Arzneimittel, die sich im Tierversuch als wirksam und sicher erwiesen haben, kommen nicht durch die klinische Prüfung am Menschen. Entweder wegen mangelnder Wirkung oder wegen unerwünschten Nebenwirkungen. Von den 5% der Wirkstoffe, die eine Zulassung erhalten, wird später rund 1/3 mit – teils dramatischen – Warnhinweisen versehen oder zurückgezogen, weil sich beim Menschen weitere schwerwiegende, oft sogar tödliche Nebenwirkungen herausstellen.

Wir erinnern uns an den Arzneimittelskandal von 2004, als das Rheumamittel Vioxx (Rofecoxib) aus dem Verkehr gezogen werden musste. Dem Hersteller MSD war das erhöhte Schädigungspotenziall dieser Arznei schon seit 2000 bekannt! Die Risiken wurden jedoch gezielt unter den Tisch gekehrt. Wenn es ums Geld geht, dann wird auf einmal ganz viel vertuscht. Erst als 2004, bei einer weiteren Patientenstudie vermehrt Herzinfarkte und Schlaganfälle auftragen und das Risiko nicht mehr vertuschbar war, blieb der Firma nichts anderes übrig, als das Mittel vom Markt zu nehmen. Solche Skandäle sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Viel Schlimmeres richten die Mittel an, welche trotz ihrer gravierenden Nebenwirkungen auf dem Markt bleiben. Allein in Deutschland gehen jährlich 58’000 Todesfälle auf das Konto von Arzneimittelnebenwirkungen zurück.

Wie oft wird behauptet, dass es ohne Tierversuche keinen medizinischen Fortschritt gäbe. Das weiss man allerdings nicht, da man es ja nicht auf einem Alternativweg versucht hat. Wir wären unter Umständen in der heutigen Zeit genau gleich weit, auch ohne Tierversuche. Seit Jahrzehnten wird unter immensem Aufwand an Milliarden von Tieren geforscht und trotzdem sind 2/3 aller Krankheiten bis heute nicht heilbar. Und das Schlimmste daran ist: Ihre Ursache ist oft noch gar nicht bekannt. Insbesondere bei Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Allergien usw. ist kaum ein Fortschritt zu verzeichnen. Die immer wieder angekündigten Durchbrüche lassen nach wie vor auf sich warten. Wenn die Tierversuche wirklich so wertvoll wären, warum gibt es dann noch immer keine Mittel gegen Multiple Sklerose? Keines gegen Alzheimer? Keine Impfung gegen AIDS? Man will nicht bestreiten, dass nicht auch Erfolge durch die Tierversuche erzielt wurden. Sie stehen jedoch in keinem akzeptablen Verhältnis zum jahrzehntelangen Aufwand. Genaugenommen, ist die Behauptung, dass die medizinische Forschung ohne Tierversuche zusammenbrechen würde, eigentlich eher eine Beleidigung für den Einfallsreichtum und die Erfindgungsgabe der Wissenschaftler.

Der offiziellen Statistik zufolge sterben jährlich rund 3 Millionen (!!!!) Tiere in Deutschland in Tierversuchen. Erschreckend oder? Und dabei sind die Insekten, Schnecken usw. noch nicht mitgezählt.

Hier ein paar Beispiele aus Tierversuchen in Deutschland:

  • Depressionsforschung: Ratten oder Mäuse werden „erlent hilflos“ gemacht, indem ihnen unausweichliche Elektroschocks verabreicht werden, bis die Tiere sich aufgeben. An ihnen werden alsdann Antidepressiva probiert.
  • Xenotransplantationsforschung: Pavianen wird ein Schweineherz in die Bauchhöhle verpflanzt; das Immunsystem attackiert das fremde Organ und stößt es ab, der Affe stirbt qualvoll.
  • Hirnforschung: Affen werden im „Primatenstuhl“ fixiert und bekommen nur ein paar Tropfen Flüssigkeit, wenn sie nach Forscherwunsch agieren.
  • Zahnmedizin: Hunden werden 20 Zähne gezogen, um Implantate zu testen.
  • Botox-Test: Jede Produktionseinheit des Nervengifts Botulinumtoxin („Botox“) wird Mäusen in die Bauchhöhle injiziert. Die Tiere ersticken qualvoll durch Atemlähmung.
  • Altersforschung: Fischen werden die Flossen abgeschnitten, um das Nachwachsen zu untersuchen.
  • Sepsisforschung: bei Schweinen wird durch Injektion von Eiterbakterien in die Blutbahn eine Blutvergiftung ausgelöst; in Herz, Lungen und Nieren entwickeln sich Abszesse, nach fünf Tagen sind die Tiere tot.
  • Krebsforschung: Genmanipulierten Mäusen werden Krebszellen in die Bauchspeicheldrüse injiziert. Es entwickeln sich Metastasen in anderen Organen, nach 4-8 Tagen sind alle Tiere tot.

Alleine nur schon wegen dieser Grausamkeit gehören Tierversuche abgeschafft und verboten. Im Gegensatz zum Tierversuch liefern moderne tierversuchsfreie Verfahren verlässliche, für den Menschen relevante Ergebnisse und sind dazu meist auch noch kostengünstiger. In der heutigen Zeit sollte es also definitiv möglich sein, Substanzen anderweitig zu testen und dabei Tierversuche aussen vor zu lassen. Momentan werden die Gelder für alternative Studien jedoch noch sehr zurückhaltend verteilt. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird. (Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.)

Mir ist bewusst, dass ich auch immer wieder über Produkte berichte, welche an Tieren getestet wurden, selber kaufen würde ich mir diese nicht mehr. Meine Meinung dazu kennt ihr schon seit längerem und heute wollte ich das Thema einfach mal wieder aufgreifen. Es gibt mittlerweile eine beachtliche Anzahl an Kosmetikherstellern, welche PETA schriftlich versichert haben, dass sie keine Tierversuche durchführen, in Auftrag geben oder dafür bezahlen. Eine Auflistung findet ihr hier. Diese Liste ist natürlich nicht abschliessend und gibt es auch noch auf internationaler Ebene. Ein Blick auf den Produktbehälter lohnt sich. Tierversuchsfreie Produkte sind in der Regel gut erkennbar. Oftmals weisen sie auch das Bunny Symbol auf, welches für Tierversuchsfreie Produkte stehen. Hier ein Beispiel:

Cruelty free and vegan logoIch habe bewusst auf Bilder verzichtet von „Versuchskaninchen“ verzichtet, weil ich das zu heftig für meinen Blog finde. Aber bei Bedarf habt ihr diese ja schnell gegoogelt. Heute hattet ihr viel zu lesen und ich habe euch auch den Quelltext angegeben, wenn ihr noch mehr darüber lesen wollt. Wie ist denn eure Meinung zu diesem Thema? Seid ihr pro oder contra Tierversuche?

Meinen nächsten Beitrag findet ihr wie üblich nächsten Montag wieder. Macht’s gut ihr Lieben :-*

 

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